S4F-Spotlight 11. Januar 2022: Indonesien auf der Suche nach einer neuen Hauptstadt

Jakarta Indonesien
Foto: © Mark Philip Stadler

Wie geht ein Archipelstaat damit um, dass seine Hauptstadt in der Klimakrise “versinkt”? Ein Beitrag zur urbanen Klimamigration in Indonesien von Mark Philip Stadler.

Der Großraum Jakarta zählt mit seinen mehr als 31 Millionen Einwohnern zu den größten Ballungsgebieten der Welt. Die Megastadt mit ihren fünf Satelliten-Städten steht vor großen Herausforderungen – neben einem Verkehrsinfarkt, Luftverschmutzung, prekärer Versorgung mit Elektrizität, Gas und Trinkwasser sowie Nichtvorhandenseins einer geregelten Müll- und Abwasserentsorgung, sind es vor allem die soziale Ungleichheit und der Klimawandel, der der Stadt zu schaffen machen.

Mark Philip Stadler, der in Jakarta gelebt und geforscht hat, stellt die Herausforderungen vor denen Jakarta steht im Detail dar und erarbeitet Lösungsansätze, wie die Stadt vor einem Kollaps der Infrastruktur, der Institutionen und des sozialen und gesellschaftlichen Gefüges bewahrt werden kann.

Jakarta sinkt bis zu 25 cm jährlich
Der weiche Boden aus Lehm und Sand, auf dem die Stadt gebaut ist und in dem das Grundwasser gespeichert ist, wird leergesaugt und sinkt in sich zusammen. Durch die dichte Bebauung und damit eingehende Versiegelung der Böden (ca. 97% des Stadtgebietes) kann das Regenwasser nicht versickern und fließt in das Meer ab. Zusätzlich führt der Klimawandel zu einem Anstieg des Java-See und einer Vermehrung von sintflutartigen Regenfällen. Die Rechnung die Megastadt mit einer ‚Giant Sea Wall‘ vor neuen Überflutungen zu bewahren, geht nicht auf, da der Stadt ein gesamtstädtisches Wassermanagement fehlt.
Gleichzeitig können bis zu 60% der Einwohner*innen Jakartas als ‚Urban Poor‘ bezeichnet werden, d.h. dass sie von konkreter Armut oder Formen von Teilhabearmut betroffen sind. Jährlich werden mehrere hunderttausend (in 2020 ca. 187.000) Menschen obdachlos, was durch die Überflutungen aber auch durch Räumungen von Siedlungen mit unklarem Status bewirkt wird.

Die Politik macht sich auf die Suche nach einer neuen Hauptstadt
Im Jahr 2019 bekräftigte der indonesische Präsident Joko Widodo das bereits lang diskutierte Vorhaben den Regierungssitz ab 2024 nach Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, zu verlegen. Dies würde jedoch nur einem kleinen Teil der Stadtbevölkerung, wahrscheinlich nur wenigen hunderttausend Regierungsbeamten und –angestellten, einen Umzug ermöglichen. Jakarta aber mit seinen (Wasser-)Problemen ist damit nicht geholfen. Was also tun in und mit dieser Stadt? Ist sie als Hauptstadt „gescheitert“?

Der Referent: Mark Philip Stadler

Mark Philip Stadler ist Mitarbeiter im Projekt “Urbane Transformation in Indonesien und Deutschland” und promoviert zum Thema „Aktivismus und Stadtarmut in Jakarta“ an der Universität Kopenhagen. Er hat zwei Master-Abschlüsse von der Universität Leiden in den Niederlanden: einen Research MA in Südostasienstudien und einen MSc in Public Administration. Er hat in Bonn, Singapur, Leiden und Kopenhagen studiert und mehr als zwölf Jahre mit festem Wohnsitz im Ausland gelebt, in Indonesien, Singapur, den Niederlanden und Dänemark.
Stadler hat an der Universität Kopenhagen Geschichte, Politik und Kultur Südostasiens sowie Indonesisch gelehrt. Seine öffentlichen akademischen Engagements umfassen eine Vielzahl von öffentlichen Vorträgen zu zeitgenössischen südostasiatischen Thematiken am Nordic Institute of Asian Studies (NIAS), der Universität Kopenhagen und dem Asia House in Kopenhagen sowie verschiedene Fachvorträge weltweit. Seit November 2021 ist er Mitglied bei Scientists For Future (S4F).

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